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Samstag, 31. Juli 2010

Chatter und andere Schreibtischtäter

Ein aktuelles Entertainmentformat voller Stars, über die man respektlos, frech berichtet. Als Zielgruppe die junge, mobile, aus Chats und SMS prägnante Kürze gewohnte Generation, der die „Bunte“ mit ihrer – vielleicht noch den Wartezeiten beim Friseur und Arzt geschuldeten – seitenlangen Psychologisiererei zu behäbig ist. Wir waren entschlossen die junge „Bunte“ zu stemmen, wie so viele vor und nach uns.
Doch in Druck ging es nie, was da in den Berliner Räumen der Burda-Tochter STARnetONE im Sommer 2001 unter Philipp Welte entwickelt worden war. Obwohl „whow“, primär ein tagesaktuelles Entertainmentformat im Internet, aber mit glossy Magazin-Look, keineswegs nur online erscheinen, sondern von Anfang an um einen Print-Ableger erweitert werden sollte. Für das papierne Spin-off hatte man mich aus München nach Berlin geholt und dann erst einmal beim Webformat geparkt.
Es war eine denkwürdige Erfahrung, das erste Mal, daß ich einen Redaktionsbetrieb erlebte, der aus sich selbst schöpfte und vor allem in sich selbst ruhte. Man recherchierte nicht vor Ort, traf sich nicht mit Stars, traute sich kaum aus der Redaktion heraus, allein schon, weil dafür gar keine Zeit vorgesehen war. Stattdessen flöhte man das Internet und produzierte täglich zwei Dutzend Geschichten am Schreibtisch, den man höchstens mal verließ, wenn man ausnahmsweise ein Telefoninterview arrangiert hatte und es in Ruhe führen wollte. Dann wich man vom Großraumbüro der Redaktion ins Obergeschoß aus, in Weltes Büro, der kein Schreibtischtäter war, weshalb es öfters leer stand. Dort, zwischen dem Silver-Surfer-Flipper und einer Silver-Surfer-Originalzeichnung holte ich mir dann vielleicht ausnahmsweise einen O-Ton. Schließlich waren wir multimedial, dann wollte so eine Sounddatei auch mal produziert werden.
Während Tom Kummer bei seinem Borderline-Journalismus zumindest noch den Eindruck zu erwecken versuchte, er hätte die Hollywood-Größen face to face interviewt, begann mit „whow“ die Ära der schnoddrigen Schreibtischtäter, die im Grunde auch nicht näher als ihre Leser an den Stars saßen, auch nicht viel mehr wußten, das Halbwissen aus Angelesenem und Angedichtetem höchstens vielleicht pointierter formulieren konnten.
Natürlich kam es auch schon früher im analogen Redaktionsalltag vor, daß man mit Dinosauriern wir Gerald Büchelmaier um einen Leuchttisch saß, das Bildmaterial der Agenturen sichtete und dann in der Bildunterschrift mutig drauflos schwadronierte, irgendeine Nachricht zu einem Foto erfand, immer im Vertrauen darauf, daß der Leser alles glaube, was gedruckt wird – oder sich zumindest gut unterhalten fühlt.
Heute böte das Internet nun die Möglichkeit, zu googeln, ob ein vermeintliches Exklusivinterview tatsächlich geführt oder nur aus bereits veröffentlichten Beiträgen anderer zusammenkopiert worden ist, bei unzureichend beschrifteten Paparazzifotos nachzurecherchieren, ob das nun ein Schnappschuß aus Malibu oder Saint-Tropez ist, zu überprüfen, ob es tatsächlich ein aktuelles oder doch nur veraltetes Bild ist.
Doch statt das Internet als ergänzendes Hilfsmittel zu sehen, als weitere Instanz, neben der Zusammenarbeit aus Freelancern, Korrespondenten, Agenturen und Redakteuren, neben der Vor-Ort-Recherche, neben Interviews und der Basisarbeit des Sich-Herumtreibens, dem mehr vom Zufall gesteuerten denn planvollen Sammeln und Jagen, wird zunehmend ausschließlich am Rechner recherchiert, und das nicht nur bei Heften wie „Chatter“, wo Borderline Redaktionsstatus zu haben scheint.
Als die „Süddeutsche Zeitung“ neulich den Agentur-Veteranen  Mort Rosenblum (Associated Press) porträtierte, zitierte sie seine Sorge, die Redaktionen erlägen dem Irrglauben, „dass man von diesen Korrespondenten nicht mehr so viele braucht in Zeiten des Internets, die Redakteure können doch alle am Schreibtisch recherchieren.“
Der Schreibtischtäter ist gerade im tagesaktuellen Geschäft ein herrlich effizienter Journalist, an seinen Computer gekettet, und das im Idealfall sogar aus eigenen Stücken. „Die jungen Leute gehen nicht mehr vor Ort, weil sie sich in den Laptop verliebt haben“, bemängelte Michael Graeter („Abendzeitung“) neulich auf der Tagung „Boulevard – jein danke“, „die machen alles vom Schreibtisch aus. Selbst bei mir im Haus gibt es Leute, die sind noch nie außerhalb vom Rundfunkplatz 4 gesehen worden“.
Doch noch ist der Leser schlauer als so mancher Geschäftsführer oder Chefredakteur. „Whow“ fand selbst im Internet kaum Anklang und wurde bald abgewickelt. „Chatter“ verkaufte von der ersten Ausgabe nicht einmal die Hälfte der den Anzeigenkunden versprochenen Garantieauflage und bei der ums Überleben kämpfenden „Abendzeitung“ hat man ein Frontschwein wie Graeter den Schreibtischtätern zu Seite gestellt.

Samstag, 4. Oktober 2008

FC Burda

Jürgen Todenhöfer: Wenn Luca Toni mit 24 Toren Torschützenkönig der Bundesliga wird, dann hat er mindestens 100 mal erfolglos auf, neben oder über das Tor geschossen. Nicht immer zu treffen, gehört zum Torjäger dazu. Auch Unternehmer und Manager treffen nicht nur richtige Entscheidungen.
(...)
Todenhöfer: Philipp Welte
(ist) ein Marketing-Ass. Er war mit 18 Jahren mein Wahlkreisassistent in Tübingen. Welte hat zusammen mit Patricia Riekel das Image der Bunten in einer Weise verändert, vor der ich nur den Hut ziehen kann.
Süddeutsche Zeitung: Umso unverständlicher, dass er zwischendurch zum Springer-Konzern ausgebüchst ist und wiedergeholt werden musste.
Todenhöfer: Das ist wie beim FC Bayern München. Zé Roberto war auch mal weg. Ich glaube, dass es Welte gut getan hat, eine Weile bei der Konkurrenz zu sehen, wie schön es bei Burda ist.“


Aus einem Interview mit dem scheidenden Burda-Vize Jürgen Todenhöfer in der heutigen „Süddeutschen Zeitung“

Sonntag, 31. August 2008

Kehrt Silver Surfer Welte zu Burda zurück?

Daß Philipp Welte den Axel Springer Verlag zum Jahresende verläßt, war kein Geheimnis mehr. Der Branchendienst „New Business“ sah ihn entweder als Guillaume de Poschs Nachfolger bei der ProSiebenSat.1-Gruppe oder zurück bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Burda. Letzteres orakelt auch Hans-Jürgen Jakobs morgen in der „Süddeutschen Zeitung“. Demnach würde Welte, vor seinem Wechsel zur „Bild“-Gruppe Geschäftsführer der Burda People Group („Bunte", „InStyle“, „Amica“) Jürgen Todenhöfer als Vorstand beerben.

Updates: Inzwischen ist es offiziell, daß Philipp Welte zum 1. Januar 2009 als Vorstand Verlage zu Burda zurückkehrt.

Die Blogosphäre dazu. Seltsam an den Trackbacks von Rivva, daß Clap doppelt gelistet wird, während etwa Turi2 und ich gar nicht erwähnt werden. Verdammte Spider! Lag offenbar an meinem seltsamen, von der sueddeutsche.de-Homepage übernommenen Link. Habe jetzt stattdessen den korrekten Permalink.